Späte Beerdigung

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Einer der angenehmen Termine des Reporterdaseins, auch wenn es eine Beerdigung ist. Hier wird Fürst Pückler zu Grabe getragen – mit reichlich 140 Jahren Verspätung.
Im Auftrag der ZDF-Sendung “Terra X” wird das Leben des grünen Fürsten verfilmt. Als Dokumentation. So bin ich – wie fast der komplette Rest der Redaktion – der Meinung. Nur eine Kollegin beharrt auf den Begriff Doku-Drama und was soll ich sagen, sie hat Recht. Wieder was gelernt. Nämlich dass das, was ich jahrelang landläufig unter der Rubrik “Dokumentation” eingeordnet habe geistig in einer Unterschublade geschoben werden muss. Beim fertigen Film werden also historische Aufnahmen und Interviews mit nachgestellten Szenen gemischt. Und was Sie dort oben sehen ist die nachgestellte Beerdigung des Fürsten. Die war nunmal im Winter und muss deshalb im Winter gedreht werden. Wie die abgelaufen ist, ist historisch belegt und unter den Komparsen sind zahreiche Mitglieder des Pücklervereins, die genau aufpassen, ob die Details auch eingehalten werden. Und es ist echt interessant, wer sich da noch alles unter den Statisten findet. Als ich mich der Gruppe nähre, höre ich nämlich recht viel sächsisch. Ein paar der Teilnehmer sind professionelle Barock-DarstellerInnen. Tatsächlich gibt es da auch regelmäßige Treffen in Deutschland, zu denen Menschen aus dem ganzen Land in historischen Gewanden strömen. Und ganz nebenbei werden diese Leute regelmäßig fürs Fernsehen gebucht, denn sie bringen praktischerweise Kostüm und Begeisterung mit.

Der Regisseur ist übrigens gut zu Erkennen: lange wallende graue Haare, ein genau so wallender Fellmantel und eine Brille mit dickem roten Rand. Zwei Funkgeräte am Gürtel. Also genau so, wie man sich einen Regisseur vorstellt. Und ich bilde mir ein, er ist ein wenig beleidigt, weil ich ihn nach dem Interview nach seinem Namen frage und ihn nicht schon kenne 🙂

Mit Eifer sind die Mitglieder der Gräflich Schönburgischen Schloßcompagnie dabei. Auf meine naive Frage, warum denn Sachsen mit preußischen Uniformen rumlaufen, erhalte ich einen 20minütigen Vortrag über die wechselnden Loyalitäten vor dem 7-Jährigen Krieg und Truppen, die von Österreich über Böhmen nach Sachsen geschickt wurden. Jedenfalls ist auch diese Garde gern gebucht. Sie haben schon für diverse Deutsche und Tschechische Produktionen vor der Kamera gestanden.

Begeisterung braucht man auch. Denn nach 2 Stunden im Schnee hat sich der Trauerzug gerade mal formiert und ist noch nicht mal losgegangen.

Ich spüre schon meine Füße nicht mehr und mache mich vom Acker, der nächste Termin ruft. Die Kollegin von der Zeitung war aber offenbar bis zum Schluß da.

Hier ihre Eindrücke

Achso: Zu sehen sein soll das Ganze im Frühjahr 2015.

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