Archiv der Kategorie: Lausitz

Augenblick mal

Für diese Topmeldung kommt sogar der Fernseh-Ü-Wagen von RTL in die Lausitz:

RTL-Üwagen auf dem Cottbuser StadthallenvorplatzEine Cottbuser Augenärztin soll gegen Geld Patienten schnellere Termine verschafft haben.

Nicht, dass mich das verwundern würde, das Thema vertrauensvolle Berufsgruppen hatten wir ja schon. Jedenfalls prüft jetzt die Kassenärztliche Vereinigung, ob der betreffende Ärztin irgendwelche Sanktionen drohen. Hier meine Vorschläge:

  • Eine Strafrunde auf dem Golplatz mit plattem Reifen am Golfmobil und erhöhtem Handicap
  • Erhöhte Ratenzahlungen für den nächsten Porsche
  • Herabstufung von der Platin- auf die goldene Kreditkarte

Wir kratzen die Kurve

Stellen Sie sich vor, Sie haben Mist gebaut und stehen nun mit dem Rücken an der Wand. Und es sieht auch inzwischen so aus, als würden sich Ihre treusten Freunde so langsam von Ihnen abwenden.
Da können Sie

a) Den Kopf in den Sand stecken
b) alles wieder gut machen und kämpfen

Oder Sie machen es wie Energie Cottbus, irgendwas zwischen a) und b)
Der Verein steht inzwischen nicht schon mehr nur mit einem Bein in der dritten Liga, sondern mit mit 1,99 Beinen. Um den Klassenerhalt noch zu schaffen, muss der Verein lediglich fast jedes Spiel gewinnen. Dafür – so würden es alle Fußballweisen der Welt bestätigen – braucht man nicht nur gute Spieler sondern auch die Unterstützung der Fans. Um eins klar zu sagen, ich bin keiner und werde es auch nie werden. Dafür interessiere ich mich zu wenig für Fußball und verstehe auch nichts davon.

Was ich aber irgendwann mal gelernt habe ist Öffentlichkeitsarbeit und Krisenmanagement. Jetzt (oder besser gesagt eigentlich schon vor Monaten) wäre DER Zeitpunkt gewesen, alles in den Ring zu schmeissen was man hat, um die Fans zu mobilisieren. Statt dessen habe ich den Eindruck, dass man sich nach aussen zwar kämpferisch zeigen möchte, innerlich aber schon längst resigniert hat.

Heute war die Pressekonferenz vor dem alles entscheidenden Heimspiel gegen Sandhausen. Sollte Energie das versemmeln ist die Sache eigentlich gelaufen. Zwar beschwört der Trainer immer wieder wie motiviert seine Jungs aus dem Trainingslager in der Winterpause zurückgekehrt sind. Allein, zu spüren ist davon nichts. Statt Motivation macht sich Lethargie breit. Trainer und Pressesprecher sagen ihre Standardsprüche auf, es folgt eine lange Pause, bis die ersten Höflichkeits-Nachfragen der anwesenden Journalisten kommen. Nach einer Viertelstunde ist der Spaß auch schon vorbei.

Motivation sieht anders aus. Immerhin, versichert der Vereinssprecher, die Kampagne, mit der der Energie Kampfgeist zeigen will, sei ein voller Erfolg, erstaunlich viele Karten im Vorverkauf über den Ladentisch gegangen.

Die Kampagne, die der Verein sich da zusammengeschustert hat bewegt sich allerdings auf Regionalliganiveau, ach was, selbst in der Kreisklasse habe ich schon Professionelleres gesehen.

“Wir kriegen die Kurve” lacht es uns in der Winterpause von der Facebook- und Internetseite des Vereins entgegen. Mit einem Bild, das aussieht als hätte es der Sohn des Praktikanten mal eben mit Paint zusammengebastelt:

Wir kriegen die Kurve (Quelle: Energie Cottbus)

Wir kriegen die Kurve (Quelle: Energie Cottbus)

Was will uns dieses Motiv eigentlich sagen? Aggressiv boxende Spieler und Fans möchten den Vereinsbus umkippen? Ganz davon abgesehen, dass etwa die Hälfte des Bildes von Asphalt eingenommen wird. Das kurz darauf erscheinende Video bringt auch nicht mehr Klarheit: Im Kreis joggende Energiespieler untermalt von einer Instrumentalversion von “We are the champions” (wie zynisch!). Mit einem krampfhaft auf Versmaß gequetschtem “Wir kriegn (sic!) die Kurve mit Vollgas” als Refrain.

Begleitet wird das Ganze von einem gerade zu unwiderstehlichem Angebot: Wer Karten für alle drei Heimspiele kauft, spart ganze drei Euro. Das ist ja fantastisch!

Nagut, Herr Erler, werden Sie jetzt sagen, meckern kann jeder, das bringt den Verein auch nicht weiter. Stimmt. Deswegen ganz kurz meine Vorschläge:

In die Öffentlichkeit gehen:
Nicht nur hier und da zum Dialog mit den Fans einladen und dann mit Minimalbesetzung aufmarschieren. Mit Spielern die ganzen Fanclubs abklappern, hier eine Autogrammstunde, da ein öffentlicher Talk zur Situation. Flagge zeigen. Statt nur zu sagen “Wir brauchen Euch” es auch zeigen.

Die Hütte voll kriegen:
In einem Stadion zu spielen, das zu 2/3 leer ist, macht keinen Spaß und ist auch für die Aussenwirkung nicht wirklich toll. Also Karten raushauen, was das Zeug hält. Und zwar nicht nur einen Euro pro Spiel billiger, sondern mindestens die Hälfte. Meinetwegen auch an Schulen, Firmen und Vereine einen dicken Satz Freikarten vorbeibringen. Am besten persönlich (siehe vorheriger Punkt)

Eine vernünftige Kampagne:
Überlasst es nicht Anderen herauszustellen, wie wichtig Energie für die Lausitz ist. Holt Testimonials ein: Was bedeutet Energie für Lokalpolitiker, Geschäftsleute und Fans? Rauf damit auf die Internetseite und Plakate. Was verbindet die Lausitz mit dem Verein? Tolle Spiele in der Vergangenheit! Energie war immer der Verein, der das Unmögliche geschafft hat. Ein paar dieser Gänsehautmomente (Aufstieg in die erste Liga, Pokalendspiel, usw) aneinandergeschnitten, dazwischen schweißgebadete Spieler, die sich auf deutsch gesagt den Arsch aufreissen, motivierende Musik drunter: SO muss das Video aussehen.

Ich wünsche Energie Cottbus trotz allem viel Erfolg im Abstiegskampf und den Klassenerhalt. In der Hoffnung, dass sich das Marketing in Zukunft der Liga anpasst und nicht umgekehrt.

Späte Beerdigung

image

Einer der angenehmen Termine des Reporterdaseins, auch wenn es eine Beerdigung ist. Hier wird Fürst Pückler zu Grabe getragen – mit reichlich 140 Jahren Verspätung.
Im Auftrag der ZDF-Sendung “Terra X” wird das Leben des grünen Fürsten verfilmt. Als Dokumentation. So bin ich – wie fast der komplette Rest der Redaktion – der Meinung. Nur eine Kollegin beharrt auf den Begriff Doku-Drama und was soll ich sagen, sie hat Recht. Wieder was gelernt. Nämlich dass das, was ich jahrelang landläufig unter der Rubrik “Dokumentation” eingeordnet habe geistig in einer Unterschublade geschoben werden muss. Beim fertigen Film werden also historische Aufnahmen und Interviews mit nachgestellten Szenen gemischt. Und was Sie dort oben sehen ist die nachgestellte Beerdigung des Fürsten. Die war nunmal im Winter und muss deshalb im Winter gedreht werden. Wie die abgelaufen ist, ist historisch belegt und unter den Komparsen sind zahreiche Mitglieder des Pücklervereins, die genau aufpassen, ob die Details auch eingehalten werden. Und es ist echt interessant, wer sich da noch alles unter den Statisten findet. Als ich mich der Gruppe nähre, höre ich nämlich recht viel sächsisch. Ein paar der Teilnehmer sind professionelle Barock-DarstellerInnen. Tatsächlich gibt es da auch regelmäßige Treffen in Deutschland, zu denen Menschen aus dem ganzen Land in historischen Gewanden strömen. Und ganz nebenbei werden diese Leute regelmäßig fürs Fernsehen gebucht, denn sie bringen praktischerweise Kostüm und Begeisterung mit.

Der Regisseur ist übrigens gut zu Erkennen: lange wallende graue Haare, ein genau so wallender Fellmantel und eine Brille mit dickem roten Rand. Zwei Funkgeräte am Gürtel. Also genau so, wie man sich einen Regisseur vorstellt. Und ich bilde mir ein, er ist ein wenig beleidigt, weil ich ihn nach dem Interview nach seinem Namen frage und ihn nicht schon kenne 🙂

Mit Eifer sind die Mitglieder der Gräflich Schönburgischen Schloßcompagnie dabei. Auf meine naive Frage, warum denn Sachsen mit preußischen Uniformen rumlaufen, erhalte ich einen 20minütigen Vortrag über die wechselnden Loyalitäten vor dem 7-Jährigen Krieg und Truppen, die von Österreich über Böhmen nach Sachsen geschickt wurden. Jedenfalls ist auch diese Garde gern gebucht. Sie haben schon für diverse Deutsche und Tschechische Produktionen vor der Kamera gestanden.

Begeisterung braucht man auch. Denn nach 2 Stunden im Schnee hat sich der Trauerzug gerade mal formiert und ist noch nicht mal losgegangen.

Ich spüre schon meine Füße nicht mehr und mache mich vom Acker, der nächste Termin ruft. Die Kollegin von der Zeitung war aber offenbar bis zum Schluß da.

Hier ihre Eindrücke

Achso: Zu sehen sein soll das Ganze im Frühjahr 2015.