Archiv der Kategorie: Satire

Leichter leben dank Flüchtlingen

Ich gebe zu, ich sollte vielleicht etwas aktiver in die zahlreichen Flüchtlings-Debatten eingreifen. Die poppen eigentlich fast stündlich bei Facebook auf. Teilweise in völlig artfremden Ausgangspostings, manchmal ist der shitstorm auch schon absehbar. Zum Beispiel, wenn es um die geplante Unterbringungen von hunderten Flüchtlingen und Asylbewerbern in kleinen märkischen Dörfern geht. Oder wenn ein Plattenbauaufgang für den Einzug vorbereitet wird. Die „Argumente“ sind tatsächlich so erwartbar, dass die Bullshit-Bingo-Karte schneller voll wird, als mir lieb ist:

Bullshit-BingoMeistens beschränke ich mich darauf, diese zu posten oder ein Link zu einer der inzwischen gottseidank recht zahlreichen Seiten, die Fakten liefern, die meisten oft gehörten Kritikpunkte zu entkräften.

Aber ähnlich wie bei Impfgegnern ist es ziemlich schwierig, den ideologischen Schutzschirm mit so etwas wie Fakten zu durchdringen. Immerhin gibt es hier einen interessanten Ansatz, wie es funktionieren könnte

So wird munter weitergepöbelt und teilweise zu Straftaten aufgerufen. Erfreulich, das Facebook inzwischen erkannt hat, dass auch Morddrohungen gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen und nicht nur Bilder von Nippeln.

Was ich mich immer frage: Woher kommt eigentlich dieser Hass? Die naheliegende Antwort: Die Welt ist inzwischen einfach zu komplex geworden, das Gefühl der latenten Unsicherheit steigt und es gibt keine einfachen Lösungen. Oder vielleicht doch? Ich habe einen Selbstversuch gestartet. Seit etwa einer Woche schiebe ich die Schuld für jedes Problem – egal wie absurd – konsequent auf Flüchtlinge und stelle fest: Meine Lebensqualität steigt spürbar:

  • Zu wenig Wasser in der Elbe? Ist doch klar, die Flüchtlinge kommen her uns saufen uns das ganze Wasser weg. Guckt doch einfach mal genau hin: Die wollen doch alle gleich was zu trinken, wenn sie nach Deutschland kommen! Und jeder von denen hat ne Flasche in der Hand!
  • Der Baggersee ist verdreckt? Den Müll haben bestimmt die Flüchtlinge da hin geworfen
  • Stau auf der Autobahn? Das liegt doch nur an den Flüchtlingen. Kommen her und kaufen sich von unserem Geld schnelle Autos! Und der Deutsche muss gucken, wie er mit seinem langsamen Mittelklassewagen zur Arbeit kommt.
  • Auf dem Stadthallenvorplatz grölen mal wieder die besoffenen (deutschen) Jugendlichen rum und pöbeln Passanten an? Das liegt doch nur daran, dass die Asylanten ihnen die Arbeitsplätze weggenommen haben. Jetzt müssen sie von Harz IV leben und draußen rumlungern, während es sich die Flüchtlinge in kostenlosen Wohnungen bequem machen. Können froh sein, dass „Der Muslim“ kein Alkohol trinkt, sonst wär das schöne Billigbier auch noch futsch!
  • Kein Wunder, das es hier seit Wochen so heißt ist. Schließlich kommen die ganzen Flüchtlinge aus warmen Ländern und bringen ihr Wetter mit!

Das Letztere lässt sich sogar noch steigern, je nachdem welcher Aluhut-Frakion sie angehören:

  • Wir wissen schließlich alle, beeinflusst. Die schaffen sorgen erst für Dürren in Afrika, damit die Flüchtlinge kommen und jetzt wird in Europa das Klima angepasst!

Kommt Ihnen alles ziemlich meschugge vor? ist es auch. Aber es macht das eigene Weltbild und damit das Leben so erfrischend einfach. Ich muss mir nicht mehr die lästige Frage stellen, ob ich vielleicht selbst ein bisschen Schuld bin. Dafür hab ich ja jetzt meine Sündenböcke. Und das tolle ist: Es werden immer mehr!

Und der zweite interessante Punkt: Es ist erstaunlich, wie sich zwei völlig unzusammenhängende Dinge mit nur wenig Mühe so miteinander verknüpfen lassen, dass sich eine auf den ersten Blick schlüssige Logikkette ergibt. Ich könnte mir so nach und nach eine Welt erschaffen, die zwar ausschließlich aus Lügen besteht, die aber so schön ineinandergreifen, dass sie aus der Innensicht ein total stimmiges  Bild ergeben. Ein Bild, dass ich mir dann ungern von so etwas wie Fakten kaputt machen lassen will. Eben dieses Phänomen, das ich im Netz immer wieder beobachten kann. Der Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation ist halt noch nicht überall angekommen. Inzwischen bin ich auch dazu übergegangen, in sozialen Medien konsequent alles auf Flüchtlinge und Asylanten zu schieben – egal wie absurd. In der Hoffnung, dass vielleicht doch der ein oder andere stutzig wird und mir vorwirft, wie albern meine Argumentation eigentlich ist. Leider habe ich bisher nur „likes“ bekommen.

 

Eine Schwere Zeit für Satiriker

Es ist schon eine Krux und ein Trend, der spätestens seit Gerhard Schröder zu beobachten ist: Die Realität ist von der Satire inzwischen kaum noch zu unterscheiden.

Diese Schlagzeile hätte sich kein Kabarettist besser ausdenken können: Die Immobilienmaklergewerkschaft (die haben sogar mehr als eine, wieder was gelernt) droht mit Streik, weil künftig nicht mehr die Mieter die Provisionen zahlen sollen, sondern die Vermieter (die diese Kosten natürlich nicht irgendwie auf die Miete aufschlagen werden, was denken Sie denn?). Die Makler befürchten, dass sie nun nicht mehr aus Scheiße Gold machenihre harte Arbeit bezahlt bekommen und bald am Hungertuch nagen werden.

Was kommt als nächstes? Der Streik der Börsenanalysten? Womöglich drohen sogar noch die Unternehmensberater mit Ausstand. Junge, dann ist Deutschland aber sowas von am Arsch!

Streit um roten Adler im Landtag beigelegt – Brandenburg ändert Landesflagge

Mit einem geschickten Schachzug hat die Landesregierung nun den Streit um das Brandenburger Wappentier beigelegt. Mit einem geschickten Schachzug konnte die Landesregierung beide Parteien zufriedenstellen. Während der Architekt auf einen weißen Adler im Plenarsaal besteht, verlangt eine Mehrheit der Brandenburger, sich an der Landesflagge zu orientieren. Die Lösung ist so einfach, wie genial: Zum 1.5.2014 ändert sich die Landesflagge:

Abschied vom roten Adler: Ab Mai weht in Brandenburg ein weißer Adler auf weißem Grund. (Quelle: http://www.worldpeace.no/THE-WHITE-FLAG.htm, Author: Jan Jacobsen)

Abschied vom roten Adler: Ab Mai weht in Brandenburg ein weißer Adler auf weißem Grund.
(Quelle: http://www.worldpeace.no/THE-WHITE-FLAG.htm, Author: Jan Jacobsen)